Kreuzweg oder Weg der Kreuze

Zur Einstimmung an den diesjährigen Karfreitag schauten wir uns die Andacht von Pfarrer Christian Pfeifer und Antje Pfeifer bei YouTube an. Zwar nicht live, aber trotzdem ein bisschen nahe, Dankeschön hierfür! Die letzten Jahre sind wir immer gemeinsam mit der Bonhoeffer-Gemeinde den Kreuzweg gegangen, mit Abschluss in der Kapelle in Götzenhof und der Andacht zur Todesstunde Jesu. Irgendwie würde ich dies vermissen, dachte ich schon vor einigen Tagen, so dass ich eine andere Möglichkeit suchte, an diesem Tag Jesus nahe zu sein, ihn im Gedanken zu begleiten. Also musste dieses Jahr ein eigener Kreuzweg (im Kreise der Familie) her. Am Mittag starteten wir von zu Hause aus und liefen zum ersten Kreuz in der Nähe des Haunestausees. Hier war unsere erste Station, mit der Frage, die Jesus seinen Jüngern stellte: „Was sagen die Leute, wer ich bin?“ Die Jünger antworteten: „Einige sagen, du bist Johannes der Täufer. Andere meinen, du bist einer von den Propheten, die Gott früher zu unserem Volk gesandt hat.“ Da fragt Jesus: „Was meint ihr: Wer bin ich?“ Petrus antwortet: „Du bist Christus, der Sohn Gottes.“ Diese Frage nahmen wir auf und machten dazu eine Übung: Jeder bekam einen Zettel und Stift und durfte von einem anderen Familienmitglied den Namen aufschreiben und zu jedem einzelnen Buchstaben eine Eigenschaft, Fähigkeit oder Sache aufschreiben, die ihm spontan zur jeweiligen Person einfiel. Spannend, wie werde ich von anderen gesehen? Wer bin ich? Und welche Rolle spielt dies in unserem Leben und im Leben Jesu?

Unser Weg führte uns nun weiter zum Steinbruch bei Steinhaus, hier war dann die zweite Station: Jesus sagt zu seinen Jüngern: „Wir gehen nach Jerusalem. Dort werde ich viel leiden müssen. Ich werde sterben und am dritten Tag auferstehen.“ Da nimmt Petrus ihn zur Seite: „So etwas Schlimmes darf nicht passieren.“ Jesus dreht sich zu Petrus um und sagt: „Weg mit dir!“ Was du willst, kommt nicht von Gott. Das sind nur menschliche Wünsche.“ Am Abend feierte Jesus mit seinen Jüngern das letzte Abendmahl.  Dies taten wir ihm nach, im Sonnenschein und unter freiem Himmel mit Traubensaft und Reiswaffeln.

Da wir die Strecke etwas abkürzen wollten machten wir beim Steinbruch gleich noch die dritte Station im Wald: Auf dem Weg zum Ölberg. Jesus sagt: „In dieser Nacht werdet ihr mich alle im Stich lassen. Aber wenn ich auferstanden bin, werden wir uns in Galiläa wiedersehen.“ Petrus ruft: „Auch wenn die anderen weglaufen: Ich bleibe bei dir und stehe zur dir.“ Doch Jesus antwortet: „Glaube mir, in dieser Nacht wirst du dreimal behaupten, dass du mich nicht kennst. Noch ehe der Hahn gekräht hat!“ Petrus widerspricht ihm: „Auf keinen Fall! Und wenn ich mit dir sterben muss, das werde ich nicht tun!“ Die Freundschaft von Petrus und Jesus wird auf die Probe des Vertrauens gestellt. Auch wir haben hierzu eine Übung gemacht, wo wir den anderen blind vertrauen mussten. Ein Partner hatte die Augen verbunden und der andere führte ihn durch das Gelände. Wie geht es mir dabei? Was passiert in mir? Was fühle ich? Wie ist es mit Petrus und Jesus?

Gestärkt ging es dann weiter Richtung Steinau zum nächsten Kreuz (unterhalb des Friedhofs):  Jesus ist mit seinen Jüngern im Garten Getsemani. Auch Judas kennt den Ort gut. Er ist der Jünger, der Jesus verrät. An diesem Abend kommt Judas mit Soldaten in den Garten. Sie sind bewaffnet. Jesus geht ihnen entgegen und fragt: „Wen sucht ihr?“ Sie sagen: „Jesus von Nazareth.“ Da antwortet Jesus: „Ich bin´s.“ Auch Petrus hat ein Schwert dabei. Er zieht es und schlägt einem Soldaten das rechte Ohr ab. Jesus ruft Petrus zu: „Steck das Schwert wieder weg! Ich gehe den Weg, den mein Vater bestimmt hat.“ Dann lässt er sich abführen. Petrus möchte helfen, er ist vielleicht auch überfordert, verzweifelt, möchte nicht ohnmächtig sein, nicht wegschauen, sondern etwas tun…nur ist das der richtige Weg? Ein schwerer Weg auf jeden Fall: es hinzunehmen, die Entscheidungen zu akzeptieren, es zu respektieren. Nun das letzte Stück unseres Weges die Anhöhe hoch zum Friedhof in Steinau: Petrus läuft den Soldaten, die Jesus verhaftet haben, heimlich hinterher. Sie kommen zum Palast des Hohenpriesters. Die Frau, die an der Tür aufpasst, dass kein Fremder hereinkommt, fragt Petrus: „Bist du nicht einer von den Jüngern, die zu Jesus gehören?“ Petrus bekommt es mit der Angst zu tun und sagt: „Nein, das bin ich nicht.“ Vor dem Palast stehen die Soldaten. Sie haben ein Feuer gemacht. Petrus stellt sich dazu, um sich aufzuwärmen. Sie fragen ihn: „Bist du nicht auch bei diesem Jesus gewesen?“ Petrus antwortet: „Nein, das bin ich nicht.“ Einer von den Soldaten sagt: „Aber ich hab dich doch im Garten bei ihm gesehen!“ Petrus antwortet ihm: „Nein, das kann nicht sein!“ Da kräht der Hahn. Petrus erschrickt und läuft hinaus. Er denkt: „Nun ist es genau so gekommen, wie es Jesus gesagt hat. Ich habe nicht zu ihm gestanden.“ Petrus weint bittere Tränen. Und Jesus ist nach langem Leiden und Demütigungen am Kreuz gestorben, so wie es bestimmt war. Zu dieser Station hatte jeder von uns die Gelegenheit ein Holzkreuz kreativ mit Farbe, Naturmaterial oder bunten Klebebändern zu gestalten. Danach machten wir uns auf den Heimweg, beinahe zur Todesstunde Jesus…

Eure Familie Wiedekamp (Daniela, Jens, Ida und Finnja)